Emotional beweglich bleiben: Einfache Strategien für den Alltag

Krisen gehen mit einem wahren Cocktail an Emotionen einher: von Angst und Unsicherheit bis hin zu Hilflosigkeit, Verzweiflung und Wut. Das ist ganz normal. Menschen, die ihre Gefühle wahrnehmen und sie akzeptieren, kommen besser mit Krisen zurecht.

Während Angst und Unsicherheit zum Rückzug verleiten, kann Wut in aggressives Verhalten münden (Fremd- oder Selbstverletzung). So kann beispielsweise eine erneute Einschränkung des öffentlichen Lebens wegen des Anstiegs der Infektionszahlen von Covid-19 zu zwiespältigen emotionalen Reaktionen führen: Wut über den wiederkehrenden Verlust von Freiheit, Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus, Ohnmachtsgefühle, weil die nahe Zukunft kaum planbar ist. Gleichzeitig mischt sich Erleichterung in das emotionale Chaos. Überwiegen die negativen Gefühle, werden diese auf Dauer im ungünstigsten Fall  "hinuntergeschluckt", was weitere Probleme nach sich zieht und begünstigt Gewaltausbrüche. So weit muss es nicht kommen. Mit einfachen Strategien für den Alltag.

1. Medienkonsum überprüfen

Immer auf dem aktuellsten Stand zu sein und sich eine Meinung zu bilden empfinden viele heute als Pflicht. Doch schauen Sie genau hin: Wie viele der täglichen News haben tatsächlich eine nachhaltige Substanz? – Die Angst, etwas zu verpassen ist der Antrieb, nicht die Tatsache, dass Sie wirklich etwas Wichtiges versäumen.

Koppeln Sie sich regelmäßig vom medialen Strom ab. Gehen Sie bewusst ihren Hobbys nach und leben einen weitestgehend normalen Alltag.

Diese Strategie soll die aktuelle Lage nicht verharmlosen. Gerade deshalb brauchen Sie Energie, um die Pandemie-Zeit durchzuhalten.


2. Perspektive wechseln: Reflektieren Sie die Situation

Denken Sie noch einmal an den Mittelalter-Mensch aus obigem Beispiel: Er wäre von der aktuellen Epidemie weniger stark überrascht. Damals existierten unzählige lebensbedrohliche Krankheiten – von Pocken über die Pest, bis hin zu Syphilis und Fleckfieber. Dieser Mensch war sich seiner Sterblichkeit bewusst.

Die westliche Kultur hat die meisten Krankheiten unter Kontrolle gebracht und einen Lebensstandard mit hohem Sicherheitsniveau geschaffen. Krankheit gilt als kurze Unterbrechung des Alltags, der Tod findet überwiegend in Filmen statt. Trotzdem unterliegen wir als Menschen dem natürlichen Kreislauf des Werdens und Vergehens. Nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch die Klimakrise zeigen dies mehr als deutlich.

Wenn Sie das Bedürfnis wahrnehmen, beschäftigen Sie sich mit diesen Themen. Wählen Sie dafür konstruktive Informationsquellen. In seinem Buch „In die Sonne schauen: Wie man die Angst vor dem Tod überwindet.“ aus dem Jahr 2010 schreibt der Psychotherapeut Irvin D. Yalom einfühlsam und sogar etwas heiter über das schwierige Thema. Damit schlägt er den richtigen Ton an. Denn: Vergänglichkeit macht das Leben kostbar. Das gilt nicht nur für das Leben. Stellen Sie sich vor: Sie stehen auf einem Berggipfel und bewundern den Ausblick. Wie lange können Sie so dastehen und den Moment genießen? Vielleicht einige Minuten. Müssten Sie für mehrere Tage an dieser Stelle verharren, würde der Genuss in Überdruss umschlagen. Statt die Endlichkeit zu verdrängen oder ihr ängstlich zu begegnen, bauen Sie Akzeptanz auf und füllen Sie Ihre Zeit mit Dingen, die Ihnen wichtig sind.

3. Selbstmanagement: Bleiben Sie aktiv

Krisen lassen sich besser bewältigen, wenn der Mensch das Gefühl hat, handlungsfähig zu sein. In der Psychologie spricht man von Selbstwirksamkeit. Die Selbstwirksamkeit können Sie selbst steigern, indem Sie handeln. Im Folgenden nun die wirksamsten Strategien für ein konstruktives Handeln während einer Krise:

Unsere Emotionen sind nicht vom Körper getrennt. Wenn Sie sich emotional erstarrt fühlen, hilft Bewegung. Spazieren gehen, schwimmen, Yoga oder Boxen – tun Sie das, worauf Sie Lust haben. Aktiv sein oder werden bedeutet auch kreatives Gestalten. Dekorieren, Töpfern, Malen – auch hier sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Pflegen Sie Ihre persönlichen Kontakte oder schließen Sie sich einem Internet-Forum an. Versuchen Sie sich für neue Erfahrungen zu öffnen. Dann erkennen Sie womöglich, dass auch in Ihrer unmittelbaren Umgebung interessante und nette Menschen leben oder es finden sich neue Möglichkeiten, an alte Verbindungen anzuknüpfen.

Üben Sie Achtsamkeit: Das bewusste Wahrnehmen des Augenblicks – Ihres Körpers, den Pulsschlag beim Sport, den Duft der Bäume oder das leckere Mittagessen – reduziert nachweislich das Grübeln und hebt die Stimmung.

Ganz wichtig: Sollten Sie eine dauerhaft gedrückte Stimmung, Grübeleien, Schlafstörungen oder Antriebslosigkeit bei sich beobachten, vereinbaren Sie einen Termin beim Hausarzt. Die aktuelle Situation kann Depressionen begünstigen. Nehmen Sie Hilfe an, dann werden Sie rasch wieder aus dem Tief herausfinden.

FAZIT: Die Krise hat uns aktuell noch fest im Griff. Mit den Informationen aus diesem Beitrag, verfügen Sie nun über einfache und wirksame Strategien, um gesund durch die Corona-Zeit zu kommen. Alles Gute für Sie!

Hinweis: Sollten Sie den Eindruck haben, dass Ihre Gefühle Sie überwältigen, scheuen Sie sich nicht, unsere Hilfe anzunehmen und mit uns in Kontakt zu treten !