Krisenbewältigung: So bleiben Sie emotional beweglich

Die Pandemie stellt die Gesellschaften rund um den Globus vor immense Herausforderungen. Westliche Industriegesellschaften wie die Deutsche, verfügen über so viele finanzielle und materielle Ressourcen, wie noch keine Gesellschaft zuvor. Gleichzeitig hat der moderne Lebensstil gepaart mit technischem Fortschritt die Annahme verstärkt, das Leben und die Umwelt "managen", also kontrollieren zu können.

Der Corona-Ausbruch fegt viele dieser Selbstverständlichkeiten und Sicherheiten hinweg. Der folgende Beitrag zeigt, wie Sie dieser Krise konstruktiv begegnen und innere Erstarrung überwinden.

Los geht‘s! 

Krisen: Herausforderungen im Laufe des Lebens

Sobald Sie im Internet surfen oder das Fernsehgerät einschalten, entkommen Sie dem Thema „Corona“ nicht. Klar: Die Pandemie ist ein extremes Ereignis – auch wenn sie in Deutschland bisher gut unter Kontrolle ist.

Jeder Mensch erlebt im Laufe seines Lebens mehrere Krisen. Das bedeutet einerseits, dass niemand vor Krisen gefeit ist. Gleichzeitig hat die Menschheit im Verlauf ihrer Enticklung gelernt, damit umzugehen.

Krisen: verschiedene Arten

Psychologen wie Rolf Oerter und Leo Montada unterscheiden

1. kritische Lebensereignissen
2. normative Krisen
3. individuelle Krisen
Die Forscher unterscheiden dabei kritische Lebensereignisse, die nur eine Gruppe von Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt treffen. Beispiele dafür sind Naturkatastrophen, wie der Tsunami 2004 im Indischen Ozean, die Bankenkrise 2007 oder jetzt die Corona-Pandemie.

Andererseits gibt es kritischen Lebensereignisse, die alle Menschen bewältigen müssen. Dazu zählen Geburt, Pubertät, Menopause, Altern und Tod. Diese Ereignisse heißen auch Entwicklungsaufgaben. Sie basieren auf körperlichen Veränderungen (Hormone), neuem sozialen Status (Ehe, Elternschaft) und der Anpassung an gesellschaftliche Normen (Verhalten in der Gemeinschaft, eigene Bedürfnisse kontrollieren). Diese Art der Krisen sind vorhersehbar und strukturieren den Lebenslauf jedes Einzelnen.

Im Gegensatz dazu stellen persönliche Krisen einen Menschen vor besondere Herausforderungen und sind entsprechend schwieriger zu bewältigen. Persönliche Krisen treten oft im Zusammenspiel mit kritische Ereignissen auf. Beispiel: Ein beruflich engagierter Mann verliert seine Arbeit und gerät in eine tiefe Sinnkrise, die sich als Depression zeigt. Auch eine Essstörung während der Pubertät weist auf eine persönliche Krise hin.

Krisen und Gefühle

Krisen gehen mit einem wahren Cocktail an Emotionen einher: von Angst und Unsicherheit bis hin zu Hilflosigkeit, Verzweiflung und Wut. Das ist ganz normal. Menschen, die ihre Gefühle wahrnehmen und sie akzeptieren, kommen besser mit Krisen zurecht.

Während Angst und Unsicherheit zum Rückzug verleiten, kann Wut in aggressives Verhalten münden (Fremd- oder Selbstverletzung). So kann beispielsweise eine erneute Einschränkung des öffentlichen Lebens wegen des Anstiegs der Infektionzahen von Covid-19 zu zwiespältigen emotionalen Reaktionen führen: Wut über den wiederkehrenden Verlust von Freiheit, Angst vor einer Ansteckumg mit dem Virus, Ohnmachtsgefühle, weil die nahe Zukunft kaum planbar ist. Gleichzeitig mischt sich Erleichterung in das emotionale Chaos. Es ist wichtig, dass die Behörden reagieren und Risikogruppen schützen und das Gesundheitssystem vor einem Kollaps bewahren. Überwiegen die negativen Gefühle, werden diese auf Dauer im ungünstigsten Fall mit Alkohol "hinuntergeschluck", was weitere Probleme nach sich zieht. Alkoholmissbrauch begünstigt Gewaltausbrüche und schädigt die eigene Gesundheit. So weit muss es nicht kommen.

Hinweis: Sollten Sie den Eindruck haben, dass Ihre Gefühle Sie überwältigen, scheuen Sie sich nicht, ärztliche oder psychologische Hilfe anzunehmen.

Krisenbewältigung: Den Krisenmodus erkennen

Die Evolution hat den Menschen mit einem Stress-Programm ausgestattet, das ihm das Überleben bis in die moderne Zeit ermöglichte. In der Psychologie spricht man vom „Flucht-Kampf-Modus“. Genau genommen zählt „Starrheit“ auch noch dazu.

Ein Beispiel: Ein Mensch im Mittelalter streift durch den Wald. Er sammelt Pilze und Beeren. Plötzlich entdeckt er eine Schlange am Wegesrand. Jetzt ist nicht die Zeit, um zu überlegen, ob es sich um eine harmlose Ringelnatter oder eine giftige Kreuzotter handelt. Jetzt ist das richtige Handeln angesagt. Aus diesem Grund aktiviert unser Organismus den Jahrtausende alten Mechanismus und blockiert das klare Denken.

Der moderne Mensch lebt mit diesem Erbe, das auch in der aktuellen Krise aktiv wird. Beobachten und reflektieren Sie Ihre Gefühle und Impulse. Fühlen Sie sich aufgeregt und unruhig? Dann ist es wichtig zu handeln: Sie können die Energie über Sport abbauen oder – noch besser – für einen konstruktiven Umgang mit der Situation einsetzen: Bieten Sie alten, kranken oder einsamen Menschen in Ihrer Umgebung Ihre Hilfe an.

Überwiegt die Angst und Sie wollen sich am liebsten einigeln, können Sie diesem Impuls kurzfristig nachgeben. Bedenken Sie dabei: Rückzug reduziert Ängste nur vorübergehend. Wenn Sie dabei noch ständig die neuesten Meldungen in den Medien verfolgen, kann sich Ihre Situation sogar noch verschlimmern. Besser: Sprechen Sie über Ihre Ängste mit einer vertrauten Person oder einem Arzt Ihres Vertrauens. Reflektieren Sie Ihre Ängste gemeinsam.

Fühlen Sie sich erstarrt und hilflos? – Dann helfen Ihnen die Tipps in den folgenden Abschnitten. Alles Gute für Sie!


Emotional beweglich bleiben: Einfache Strategien für den Alltag

1. Medienkonsum überprüfen

Immer auf dem aktuellsten Stand zu sein und sich eine Meinung zu bilden empfinden viele heute als Pflicht. Doch schauen Sie genau hin: Wie viele der täglichen News haben tatsächlich eine nachhaltige Substanz? – Die Angst, etwas zu verpassen ist der Antrieb, nicht die Tatsache, dass Sie wirklich etwas Wichtiges versäumen.

Koppeln Sie sich regelmäßig vom medialen Strom ab. Gehen Sie bewusst ihren Hobbys nach und leben einen weitestgehend normalen Alltag.

Diese Strategie soll die aktuelle Lage nicht verharmlosen. Gerade deshalb brauchen Sie Energie, um die Pandemie-Zeit durchzuhalten.

2. Perspektive wechseln: Reflektieren Sie die Situation

Denken Sie noch einmal an den Mittelalter-Mensch aus obigem Beispiel: Er wäre von der aktuellen Epidemie weniger stark überrascht. Damals existierten unzählige lebensbedrohliche Krankheiten – von Pocken über die Pest, bis hin zu Syphilis und Fleckfieber. Dieser Mensch war sich seiner Sterblichkeit bewusst.

Die westliche Kultur hat die meisten Krankheiten unter Kontrolle gebracht und einen Lebensstandard mit hohem Sicherheitsniveau geschaffen. Krankheit gilt als kurze Unterbrechung des Alltags, der Tod findet überwiegend in Filmen statt. Trotzdem unterliegen wir als Menschen dem natürlichen Kreislauf des Werdens und Vergehens. Nicht nur die Corona-Pandemie, sondern auch die Klimakrise zeigen dies mehr als deutlich.

Wenn Sie das Bedürfnis wahrnehmen, beschäftigen Sie sich mit diesen Themen. Wählen Sie dafür konstruktive Informationsquellen. In seinem Buch „In die Sonne schauen: Wie man die Angst vor dem Tod überwindet.“ aus dem Jahr 2010 schreibt der Psychotherapeut Irvin D. Yalom einfühlsam und sogar etwas heiter über das schwierige Thema. Damit schlägt er den richtigen Ton an. Denn: Vergänglichkeit macht das Leben kostbar. Das gilt nicht nur für das Leben. Stellen Sie sich vor: Sie stehen auf einem Berggipfel und bewundern den Ausblick. Wie lange können Sie so dastehen und den Moment genießen? Vielleicht einige Minuten. Müssten Sie für mehrere Tage an dieser Stelle verharren, würde der Genuss in Überdruss umschlagen. Statt die Endlichkeit zu verdrängen oder ihr ängstlich zu begegnen, bauen Sie Akzeptanz auf und füllen Sie Ihre Zeit mit Dingen, die Ihnen wichtig sind.

3.Selbstmanagement: Bleiben Sie aktiv

Krisen lassen sich besser bewältigen, wenn der Mensch das Gefühl hat, handlungsfähig zu sein. In der Psychologie spricht man von Selbstwirksamkeit. Die Selbstwirksamkeit können Sie selbst steigern, indem Sie handeln. Im Folgenden nun die wirksamsten Strategien für ein konstruktives Handeln während einer Krise:

Unsere Emotionen sind nicht vom Körper getrennt. Wenn Sie sich emotional erstarrt fühlen, hilft Bewegung. Spazieren gehen, schwimmen, Yoga oder Boxen – tun Sie das, worauf Sie Lust haben. Aktiv sein oder werden bedeutet auch kreatives Gestalten. Dekorieren, Töpfern, Malen – auch hier sind Ihrer Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Pflegen Sie Ihre persönlichen Kontakte oder schließen Sie sich einem Internet-Forum an. Versuchen Sie sich für neue Erfahrungen zu öffnen. Dann erkennen Sie womöglich, dass auch in Ihrer unmittelbaren Umgebung interessante und nette Menschen leben oder es finden sich neue Möglichkeiten, an alte Verbindungen anzuknüpfen.

Üben Sie Achtsamkeit: Das bewusste Wahrnehmen des Augenblicks – Ihres Körpers, den Pulsschlag beim Sport, den Duft der Bäume oder das leckere Mittagessen – reduziert nachweislich das Grübeln und hebt die Stimmung.

Ganz wichtig: Sollten Sie eine dauerhaft gedrückte Stimmung, Grübeleien, Schlafstörungen oder Antriebslosigkeit bei sich beobachten, vereinbaren Sie einen Termin beim Hausarzt. Die aktuelle Situation kann Depressionen begünstigen. Nehmen Sie Hilfe an, dann werden Sie rasch wieder aus dem Tief herausfinden.

FAZIT: Die Krise hat uns aktuell noch fest im Griff. Mit den Informationen aus diesem Beitrag, verfügen Sie nun über einfache und wirksame Strategien, um gesund durch die Corona-Zeit zu kom
men. Alles Gute für Sie!